<p>Im Interview: Ascan Egerer, seit November 2021 oberster Mobilitäts-Manager der Stadt Köln.</p>

„Mit seiner Leistungsfähigkeit ist der ÖPNV das Rückgrat der Mobilitätswende“

23.02.2022

Im November 2021 übernahm Ascan Egerer mit seinem Amtsantritt als Beigeordneter für Mobilität der Stadt Köln die Aufgabe, die Mobilitätswende in Köln zu beschleunigen. Im Interview erklärt der oberste Mobilitäts-Manager der Stadt, mit welchen Maßnahmen er dieses anspruchsvolle Ziel erreichen will und welche Rolle der Ausbau der S-Bahn bei seinen Plänen spielt.

Herr Egerer, was ist das Wichtigste, das Sie in Ihren ersten Monaten als Mobilitätsdezernent der Stadt Köln neu dazugelernt haben?

Ich habe schnell viele zukunftsweisende Stadtentwicklungsprojekte kennen gelernt und ein großes Bewusstsein für die Bedeutung der Mobilitätswende wahrnehmen können. Als bisheriger Technischer Geschäftsführer der beiden kommunalen Verkehrsbetriebe in Karlsruhe waren für mich vor allem die städtischen Verwaltungsprozesse ein Bereich, in den ich mich intensiv eingearbeitet habe. Durch die tatkräftige Unterstützung meiner Kolleginnen und Kollegen in Köln konnte ich mich aber schnell in die Verwaltungsabläufe einfinden.

Was sind die größten Brocken, die Sie aus dem Weg räumen müssen, um Köln beim Ziel zu unterstützen, bis 2035 klimaneutral zu sein?

Die Gestaltung der Mobilitätswende ist sehr komplex. Um schneller in die Umsetzung von Verkehrsprojekten zu kommen und den bundesweiten Trend steigender Emissionen im Verkehrssektor zu bremsen und umzukehren, entwickeln wir gemeinsam Ideen, die Verkehr vermeiden helfen, die alternative Mobilitätsangebote konsequent stärken und den Umweltverbund weiter ausbauen, um Verkehr hierhin zu verlagern.

Wir müssen gute Angebote schaffen, die es idealerweise vielen Menschen ermöglichen, auf das eigene Auto zu verzichten. Dazu gehören zum Beispiel der weitere Ausbau der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur, Car- und Bikesharing, die Digitalisierung und Vernetzung der Verkehrsträger. Für weiterhin notwendige Fahrten des motorisierten Individualverkehrs muss der Einsatz von neuen Antriebstechnologien ausgebaut werden. Wir müssen Planungs- und Genehmigungsabläufe beschleunigen. Das ist nur mit einer soliden Personaldecke möglich. Dieses Fachpersonal zu gewinnen, ist zurzeit vielleicht sogar der größte „Brocken“, den wir auf dem Weg zur Klimaneutralität aus dem Weg räumen müssen.

Was sind die größten Stellschrauben, die Sie zur Verfügung haben: Welche konkreten Maßnahmen planen Sie?

Der ÖPNV ist mit seiner großen Leistungsfähigkeit das Rückgrat der Mobilitätswende. Der Ausbau der Ost-West-Achse und die damit verbundenen Bahnsteigverlängerungen auf der Stadtbahn-Linie 1 für 90-Meter-Züge – statt bisher 60 Meter – sowie die Bahnsteigverlängerungen für 70-Meter-Züge auf den Linien 4, 13 und 18, oder die Anbindung der südlichen Stadtteile Rondorf und Meschenich an das Stadtbahnnetz sind Beispiele bedeutender Maßnahmen, die umgesetzt werden müssen. Gleichzeitig wird die Radverkehrsinfrastruktur weiter ausgebaut und erneuert, um hier ein gutes, umfangreiches Angebot zu schaffen, mit dem viele Menschen dieses umweltfreundliche Verkehrsmittel sicher und gefahrlos nutzen können.

Wir schaffen Lebensqualität in den Stadtvierteln durch Verkehrsberuhigung und faire Neuaufteilung des öffentlichen Raumes. Ein wichtiges Instrument, um die Auswirkungen neuer Verkehrsführungen unter Realbedingungen zu testen, sind Verkehrsversuche, die wir immer öfters anwenden. Ein Beispiel ist der geplante Verkehrsversuch Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld. In der ersten Stufe des Verkehrsversuches soll im Rahmen des Radverkehrskonzeptes Ehrenfeld in einem Abschnitt ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich (Tempo 20) und eine Einbahnstraßenführung realisiert werden. Die Ergebnisse werden bewertet und dementsprechend in die finale Lösung miteinfließen.

Welche Rolle spielt der Ausbau der S-Bahn Köln bei Ihren Plänen?

Die S-Bahn ist neben den KVB-Angeboten ein ganz wichtiger Bestandteil des ÖPNV in Köln und für die Verbindungen ins Umland. Als Teil des VRS-Verbundgebietes bietet sie hervorragende und schnelle Verbindungen mit nur einem Ticket. Die Mobilitätswende kann nur dann funktionieren, wenn auch die Bürger*innen des Umlandes ein gutes Alternativangebot zum eigenen Auto erhalten, um in die Stadt oder zu ihren Arbeitsplätzen zu kommen. Köln ist von einem regen Pendlerverkehr geprägt.

Der weitere S-Bahn Ausbau aus dem Kölner Umland nach Köln und die geplanten Taktverdichtungen auf diversen S-Bahn-Linien werden das Mobilitätsangebot extrem stärken und sind daher für uns enorm wichtig. Unsere Aufgabe wird es sein, den Ausbau bestmöglich zu begleiten, die Zugänge zum System weiter zu verbessern sowie an den Haltestellen und Bahnhöfen leistungsstarke Mobilstationen anzubieten. Diese bieten vor allem Übergangspunkte zum Car- und Bikesharing sowie dem privaten Fahrrad.

Abschließend gefragt: Wo trifft man Sie auf Ihrem Weg zur Arbeit eher an: im Auto, in der Bahn oder auf dem Fahrrad?

In der Regel nutze ich den ÖPNV oder fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit und zu vielen Terminen. In Bereichen, die weniger gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, greife ich gerne auf ein Carsharing-Angebot zurück. Insgesamt recht „multimodal“!

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