<p>Mitte Januar 2022 hat NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes die „Zielnetzkonzeption 2032/2040" vorgestellt. Was sich dahinter verbirgt, erklärt im Interview Benjamin Uhlendorf, Bereichsleiter SPNV-Planung/ -Betrieb beim NVR.</p>

„Mit dem neuen Konzept wird der Ausbau der Schiene vom Fahrplan aus gedacht“

21.01.2022

Mitte Januar 2022 hat NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes im Landtag ihren Plan vorgestellt, Nordrhein-Westfalen bis 2040 zum Bahnland Nummer eins umzubauen. Der Titel dieses Plans: „Zielnetzkonzeption 2032/2040“. Dahinter verbirgt sich das Vorhaben, den aus Fahrgastsicht „idealen“ zukünftigen Fahrplan zu entwickeln, der den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr im Land eng miteinander verzahnt. Der Fahrplan soll in Zukunft so attraktiv sein, dass möglichst viele Menschen vom Auto auf die Schiene umsteigen wollen. Eine wichtige Voraussetzung, um die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen.

Zu der neuen Zielkonzeption haben wir mit Benjamin Uhlendorf gesprochen. Er ist Bereichsleiter SPNV-Planung/ -Betrieb beim Nahverkehr Rheinland (NVR) und hat maßgeblich an der Entwicklung des neuen Konzeptes mitgearbeitet. Bei uns im Interview erklärt er, was den Kern der neuen Zielkonzeption ausmacht und was die Pläne der NRW-Landesregierung für den Bahnknoten Köln und die S-Bahn bedeuten.

Was ist die Kernidee der neuen „Zielkonzeption 2032/2040“ der Landesregierung NRW? Was sind die größten Verbesserungen aus Fahrgastsicht?

Die Kernidee bei der Erstellung der Zielnetze 2032/2040 besteht darin, die bundesweiten Planungen des Deutschlandtaktes auf Landesebene herunterzubrechen und im Detail für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Nordrhein-Westfalen zu verfeinern und zu ergänzen.

Zentrale Idee des Deutschlandtaktes ist es, alle Verkehre auf der Schiene derart miteinander zu vertakten, dass ein übergreifender Fahrplan aus einem Guss entsteht. Und dieser Fahrplan dient dann als Richtschnur für den Ausbau der Infrastruktur. Vorbild ist dabei die Schweiz, wo mit dem sogenannten integralen Taktfahrplan seit Jahrzehnten erfolgreich ein ähnliches Konzept gefahren wird.

Das neue Konzept bedeutet für die Fahrgäste, dass an allen wichtigen Knotenbahnhöfen häufiger als bisher attraktive und zuverlässige Anschlüsse in alle Richtungen geschaffen werden. Durch Taktverdichtungen und Liniendurchbindungen ergeben sich mehr, bessere und schnellere Verbindungen als heute, die vorhandenen Kapazitäten auf der Schiene werden optimal ausgenutzt. Überall dort, wo die Kapazitäten jedoch an ihre Grenzen stoßen, muss durch Ausbauprojekte oder Reaktivierungen die Schieneninfrastruktur geschaffen werden, die für die Umsetzung des übergreifenden Fahrplans benötigt wird.

Was erhofft sich der NVR von dem landesweiten Konzept?

Das wichtigste Ziel des landesweiten Konzepts ist die Dekarbonisierung der Mobilität, um die klimapolitischen Ziele erreichen zu können. Zentraler Baustein ist dabei, möglichst viel Personen- und Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Wir müssen eine sogenannte Pull-Wirkung der Schiene herstellen, um Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel bisher selten oder nie nutzen, für die Schiene zu gewinnen. Dafür muss in erster Linie das Angebot attraktiv und auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden ausgelegt sein.

Wie haben Sie diesen möglichst optimalen Fahrplan mitentwickelt und wie sehen die nächsten Schritte aus?

Im ersten Schritt haben wir uns gefragt: Wie muss ein Fahrplan auf den einzelnen Strecken und Relationen aussehen, um tatsächlich beispielsweise doppelt so viele Fahrgäste wie heute zu transportieren? Was ist ein attraktives Angebot? Wir, das sind die drei SPNV-Aufgabenträger in NRW, der Nahverkehr Rheinland (NVR), der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Unsere Arbeit koordiniert hat das Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan (KC ITF), das vom NRW-Verkehrsministerium für die Weiterentwicklung des SPNV in NRW gegründet worden ist.

Im zweiten Schritt haben wir dann abgeleitet, wo welche Infrastruktur dafür ausgebaut werden müsste. Dafür haben wir unsere vorhandenen Planungen und Ideen auf den Tisch gelegt und sie so weit wie möglich zusammengeführt. Zentral ist bei der Erstellung der Zielnetze 2032/2040 der Gedanke: Die Infrastruktur hat sich dem Fahrplan anzupassen und nicht umgekehrt! Die Pläne reichen dabei vom Einbau einzelner Weichenverbindungen über zusätzliche Gleise bis hin zu Elektrifizierungen oder kompletten Streckenreaktivierungen.

Wichtig ist nun, dass die in den Zielnetzen 2032/2040 hinterlegte Infrastruktur schnellstmöglich gebaut wird. Das wird Zeit in Anspruch nehmen, weswegen wir gut beraten sind, uns bereits heute ausführlich Gedanken für das Jahr 2040 zu machen. Darüber hinaus müssen die Ausschreibungen der Verkehrsverträge soweit synchronisiert werden, dass neue Betriebskonzepte nach Fertigstellung der Infrastruktur sofort in Betrieb genommen werden können.

Was sieht die Zielkonzeption für die S-Bahn Köln vor? Welche Aus- und Neubaumaßnahmen bei der S-Bahn sind für die Umsetzung des Konzeptes im Knoten Köln notwendig?

Das Zielnetz 2032 beinhaltet bei der S-Bahn Köln als Kernelement die Fertigstellung des S 11-Kern- und Ergänzungspakets. Das bedeutet beispielsweise den Ausbau der Kölner S-Bahn-Stammstrecke inklusive der neuen S-Bahnsteige am Kölner Hauptbahnhof und in Köln Messe/Deutz. Dazu gehört außerdem der zweigleisige S-Bahn-Ausbau nach Bergisch Gladbach oder der Ausbau der Erftbahn (RB 38) zu einer vollwertigen S-Bahn-Linie. Heute schon im Bau befindet sich die Linie S 13, die zwischen Düren, Köln, Troisdorf und auf neuen Gleisen bis nach Bonn-Oberkassel fahren wird.

Im Zielnetz 2040 ist unterstellt, dass die Westspange, also die neuen S-Bahn-Gleise zwischen Köln Hansaring und Hürth-Kalscheuren, fertigstellt sind. Die Westspange ist die Grundlage dafür, dass der Bahnknoten Köln um weitere S-Bahn-Linien erweitert werden kann. So wird nach der Elektrifizierung der Eifelstrecke und der Oberbergischen Bahn die neue Linie S 15 zwischen Marienheide und Kall über die Westspange verkehren.

Durch einen Ausbau der Südbrücke wird das Kölner S-Bahn-Netz auch ihre erste „Ringlinie“ bekommen, die S 16. Es ist geplant, dass sie von Langenfeld über die Kölner Stammstrecke zur Südbrücke geführt wird, von wo sie über den Flughafen Köln/Bonn weiter ins Siegtal verkehren wird. Hierdurch werden zukünftig viele innerstädtische Ziele direkt durch die S-Bahn angebunden. Und im Zusammenspiel mit intelligenten Verknüpfungspunkten zum Kölner Stadtbahnnetz werden viele Verbindungen deutlich schneller sein als heute.

Als weitere neue Linie über die Westspange ist die S 17 zwischen Köln und Bonn geplant, sobald auch die Strecke Hürth-Kalscheuren – Bonn Hbf abschnittsweise viergleisig ausgebaut ist. Dadurch werden die beiden Rheinmetropolen neben dem bestehenden RB/RE-Verkehr zusätzlich per S-Bahn im 20-Minuten-Takt miteinander verbunden.


Das Liniennetz der S-Bahn Köln, wenn alle Maßnahmen der Zielkonzeption 2032/2040 umgesetzt sind

Ausstellung und Bürgersprechstunde zum Ausbau der S-Bahn im Stadthaus Deutz

Konferenz nimmt gesamten Ausbau des Bahnknoten Köln in den Blick

Infoabend Ausbau S 11: Schallschutz im Zentrum von Bergisch Gladbach nicht notwendig

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