<p>Interview mit Ragnar Migenda, Beigeordneter der Stadt Bergisch Gladbach für Stadtentwicklung, Klimaschutz, Mobilität, Schule, Kultur, Sport, Jugend und Soziales.</p>

„Jeder Pendler in der Bahn ist ein Auto weniger auf der Straße“

30.07.2021

Ragnar Migenda ist seit Anfang März 2021 Beigeordneter der Stadt Bergisch Gladbach für die Fachbereiche Stadtentwicklung, Klimaschutz, Mobilität, Schule, Kultur, Sport, Jugend und Soziales. Eine seiner wichtigsten Aufgaben ist die Entwicklung zukunftsfähiger Konzepte für klimafreundliche Mobilität in Bergisch Gladbach. Im Interview erklärt er, wie seine Pläne aussehen und welche Rolle der Ausbau der S-Bahn zwischen Bergisch Gladbach und Köln dabei spielt.

Nach dem Ausbau der S-Bahn-Strecke wird es einen 10-Minuten-Takt zwischen Köln und Bergisch Gladbach geben, statt des heutigen 20-Minuten-Takts. Welche Bedeutung hat diese Aufstockung des S-Bahn-Angebots für die Stadt Bergisch Gladbach?

Die Taktverdichtung auf der S 11 ist eine große Verbesserung für die vielen Menschen, die tagtäglich die S-Bahn von und nach Bergisch Gladbach nutzen. Das sind alleine 6.000 Berufspendler, die jeden Tag vor allem nach Köln fahren. Dazu kommen noch zahlreiche Einkaufende, Kulturinteressierte sowie Ausflüglerinnen und Ausflügler. Künftig kann man sich einfach an den Bahnsteig stellen, ohne auf den Fahrplan zu schauen, weil die Gewissheit da ist, dass spätestens in zehn Minuten ein Zug fährt. Das macht die S-Bahn noch attraktiver und nimmt Druck von den teils bereits überlasteten Straßen in der Region. Jeder Pendler in der Bahn ist eben ein Auto weniger auf der Straße. Aus diesem Grund kann man die Bedeutung des S-Bahn-Ausbaus nicht hoch genug einschätzen.

Von Seiten der Stadt haben wir nun diverse Beschlüsse vorgelegt, mit denen wir unseren Teil zum Streckenausbau der S 11 beitragen. Für die weitere Planung werden wir den Fokus vor allem auf die Stellen legen, wo sich Schienen- und Straßennetz kreuzen. Dabei wollen wir städtebaulich und verkehrstechnisch überprüfen, wie sich die Taktverdichtung auf den Bahnübergang an der Tannenbergstraße auswirkt, an dem es eine Schrankenanlage gibt. Im Anschluss werden wir in enger Abstimmung mit der Deutschen Bahn (DB) und dem Nahverkehr Rheinland (NVR) Lösungen entwickeln, um die Auswirkungen für alle Verkehrsträger möglichst gering zu halten. Wenn die Zusammenarbeit mit DB und NVR so reibungslos klappt wie bisher, bin ich optimistisch, dass wir auch bei den Bahnübergängen gut vorankommen.

Welche Pläne haben Sie für den Verkehr in Bergisch Gladbach? Wie wollen Sie den deutlichen Ausbau des S-Bahn-Angebots nutzen – für eine zukunftsgerechte, klimafreundliche Mobilität?

Das Zauberwort ist „Mobilitätshub“. Am Bahnhof Bergisch Gladbach soll man nicht nur sein Auto abstellen und auf den ÖPNV wechseln können, sondern die Auswahl zwischen verschiedenen Fortbewegungsmitteln haben: ob S-Bahn, Bus, Mietfahrrad oder Carsharing. Im Idealfall kann man das alles mit nur einer App buchen, die zusätzlich auch noch weitere Services bietet, zum Beispiel, wo sich die nächste Ladestation für mein Elektrofahrzeug befindet. Denn E-Mobilität sehen wir als zentralen Baustein für klimafreundlichen Verkehr. Ein weiteres Thema, wo wir noch deutlichen Nachholbedarf sehen, ist die Fahrradmobilität. Wir entwickeln gerade Maßnahmen, mit denen wir den Fahrradverkehr in Bergisch Gladbach möglichst schnell fördern können. All diese Bausteine spielen in unserem Klimaschutzkonzept, das wir gerade erarbeiten, eine wichtige Rolle.

Der Bahnhof Bergisch Gladbach wird modernisiert und ausgebaut. Parallel arbeiten Sie an Plänen für den Neubau des Stadthauses, der direkt am Bahnhof entstehen soll. Welche Chancen bieten diese Entwicklungen der Stadt Bergisch Gladbach?

Im vorigen Jahrhundert waren die Bahnhöfe das Aushängeschild und das Tor zur Stadt. Das hat man auch architektonisch an diesen Bauwerken ablesen können. Heute geht es natürlich deutlich funktionaler zu. Unser Anspruch ist es jedoch, diese beiden Ansätze miteinander zu verbinden und eine attraktive Empfangssituation für alle Neuankommenden zu schaffen. Ideal wäre es, wenn es uns gemeinsam mit DB und NVR gelingt, die Zu- und Abgänge zwischen Bahnhof und Stadthaus so zu verbinden, dass daraus ein großes Ganzes wird. Das direkte Bahnhofsumfeld wollen wir außerdem deutlich verdichten, unter anderem mit dem Neubau des Firmensitzes eines namenhaften Unternehmens und mit den neuen Wohnquartieren, die an den alten historischen Kalköfen gebaut werden. Diese werden von der Nähe zum Bahnhof profitieren und viele junge Familien, aber auch ältere Menschen anlocken. Nach dem Ausbau wird der Bahnhof mit drei Bahnsteigen nicht nur deutlich leistungsfähiger sein, auch bei der Barrierefreiheit kommen wir einen wichtigen Schritt voran. Vor kurzem haben wir den Beschluss gefasst, am Bahnhof eine Fußgängerüberführung mit Aufzügen zu bauen. Das wird die Reisequalität für Menschen mit Gehbehinderung spürbar verbessern. Auch hier werden wir die städtischen Planungen mit den Planungen von DB und NVR eng verzahnen, damit am Ende alles passt.

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