<p>Für immer mehr Kommunen sind Mobilstationen ein erster Schritt zur Lösung ihrer Verkehrsprobleme. Der NVR und das Zukunftsnetz Mobilität NRW unterstützen sie dabei.</p>

In Zukunft Mobilstation: Der Bahnhof für alle

02.08.2022

Die S-Bahn ist im Vergleich zum Stadtbus oder der Stadtbahn ein schnelles Verkehrsmittel, weil der Abstand zwischen den Stationen relativ groß ist. An Stationen, wo die S-Bahn hält, ist es deshalb besonders wichtig, dass der Umstieg auf andere Verkehrsmittel so bequem wie möglich ist. Mobilstationen verfolgen genau dieses Ziel: die bestmögliche Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsmittel. So soll für die Reisenden ein attraktives Angebot geschaffen werden und die Mobilstationen sollen einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Verkehrsprobleme in vielen Kommunen leisten. Erste Referenzprojekte im Großraum Köln zeigen, wohin die Reise geht. Der Nahverkehr Rheinland (NVR) und das Zukunftsnetz Mobilität NRW unterstützen und beraten Kommunen dabei, wie sie solche Mobilstationen möglichst schnell und flächendeckend umsetzen können.

Die erste Mobilstation im Rheinland wurde 2018 am Bahnhof Erftstadt eröffnet. Der Bahnhof verfügt unter anderem über vollständige Barrierefreiheit, ein Fahrradparkhaus, einen großen Kiosk, dynamische Fahrgastanzeige und eine Info-Stele mit den Mobilitätsangeboten vor Ort im eigens entwickelten landesweiten Mobilstationen-Design (Hier geht’s zum virtuellen Rundgang am Bahnhof). Eine sehr umfangreiche Ausstattung also, von der in Zukunft auch die Fahrgäste auf der neuen S-Bahn-Linie 15 profitieren werden, die in Erftstadt halten wird.

Natürlich können auch Stationen, an denen keine S-Bahn hält, zur Mobilstation werden. Zentrale Voraussetzung dafür ist, dass an einer Station mindestens zwei Mobilitätsangebote kombiniert werden. Darüber hinaus müssen verschiedene Qualitätsmerkmale vorhanden sein, zum Beispiel ein Fahrgastunterstand oder eine digitale Fahrgastinformation. Das bedeutet, dass eine ländliche Bushaltestelle mit Fahrradabstellanlage ebenso zu einer Mobilstation weiterentwickelt werden kann wie ein Hauptbahnhof, an dem Regional- und Fernverkehr auf Nahverkehr und große Fahrradparkhäuser auf P+R-Anlagen treffen.

Als Grundlage für die Umsetzung eines Mobilstationen-Netzes hat ein Gutachten im Auftrag des NVR aus etwa 9.600 ÖPNV-Haltestellen im Rheinland rund 460 Stationen identifiziert, die sich für den Ausbau zur Mobilstation eignen. Für die meisten dieser Stationen wurden bereits Standortanalysen durchgeführt, um Station für Station herauszufinden, wie mit Blick auf die individuellen Gegebenheiten vor Ort die jeweils optimale Ausstattung aussieht.

Die identifizierten Maßnahmen reichen von digitalen Fahrradboxen über E-Ladestationen fürs Auto bis hin zum Lastenrad-Verleih. Neben Ausstattungselementen für die verschiedenen Verkehrsmittel sind zum Beispiel eine dynamische Fahrgastinformation wie in Erftstadt oder ein Servicepunkt für Reisende mögliche Elemente, mit denen Mobilstationen ausgestattet werden können. Ein wichtiges Merkmal jeder Mobilstation ist die durchgängige Barrierefreiheit. Dazu gehören sowohl die barrierefreie Erreichbarkeit des Bahnsteiges durch Rampen statt Treppen als auch der barrierefreie Zugang zu Bus und Bahn oder anderen hier verknüpften Verkehrsmitteln.

So könnte eine Mobilstation beispielhaft aussehen

Beispielhafte Mobilstation mit möglichen Ausstattungselementen

Die Mobilstationen sollen aber nicht nur die verschiedenen Verkehrsträger optimal miteinander vernetzen. Wenn möglich, sollen sie über die reine Funktion als Verkehrsknotenpunkt hinaus zu Treffpunkten ausgebaut werden, an denen Menschen gerne Zeit verbringen wollen. Dafür sieht das Konzept der Mobilstationen auch vor, dass vor Ort Gastroangebote oder Kioske mit Sitzmöglichkeiten eingerichtet werden – bis hin zu Coworking-Spaces.

NVR und Zukunftsnetz Mobilität NRW unterstützen Kommunen mit diversen Instrumenten

Seit der NVR und das Zukunftsnetz das Ausrollen von Mobilstationen 2018 angestoßen haben, arbeiten sie gemeinsam mit den Kommunen an einheitlichen Standards, die für jede Mobilstation in jeder Kommune gelten sollen. Eines der Mittel hierfür ist ein Gestaltungsleitfaden, den das Zukunftsnetz in Zusammenarbeit mit dem NRW-Verkehrsministerium entwickelt hat. Damit sollen eine gute Sichtbarkeit und Wiedererkennbarkeit sowie eine intuitive Orientierung an jeder einzelnen Station ermöglicht werden. Um das zu erreichen, sollen an jeder Station einheitliche Logos und Infostelen im einheitlichen Design installiert werden, die über die verschiedenen Mobilitätsangebote vor Ort informieren.

Auch bieten der NVR und das Zukunftsnetz Workshops für die Kommunen an, mit denen auf Grundlage der vorhandenen Standortanalysen Schritt für Schritt ein individuelles (Organisations-)Konzept zur Errichtung von Mobilstationen in den einzelnen Kommunen erstellt wird. Außerdem steht der NVR in allen Fragen zu Fördermöglichkeiten als Ansprechpartner zu Verfügung, um den Kommunen im Dschungel der Fördertöpfe von Bund und Land oder bei der Nutzung seines eigenen Förderprogramms unter die Arme zu greifen. So unterstützt der NVR die interessierten Kommunen und Verkehrsunternehmen über den Abschluss von Rahmenverträgen für einzelne Elemente sogar bei der Beschaffung der Ausstattung von Mobilstationen, um den Interessenten so Zeit und Aufwand zu ersparen.  Ferner können mit dem vom NVR entwickelten einheitlichen Buchungssystem radbox.nrw verschließbare Fahrradabstellanlagen im ganzen NVR-Gebiet gebucht werden. Doch wie viele Mobilstationen gibt es eigentlich bereits?

Allein 19 neue Mobilstationen im Rheinisch-Bergischen Kreis seit Jahresbeginn 2022

An 88 Haltestellen im Verbandsgebiet des NVR konnten bereits Mobilstationen eingerichtet werden. 18 davon stehen auf dem Gebiet der Stadt Köln. Ein Leuchtturmprojekt wird seit Beginn des Jahres durch den Rheinisch-Bergischen Kreis vorangetrieben. Dort ist seit Jahresanfang 2022 ein flächendeckendes Netz mit 19 Mobilstationen entstanden, unter anderem am Bahnhof Bergisch Gladbach, der im Zuge des Ausbaus der S 11 deutlich erweitert wird. Ebenfalls dazu gehören der Bahnhof Rösrath und der Bahnhof Overath, an denen in Zukunft mit der S 15 ebenfalls eine S-Bahn halten wird.

Mit MOST RegioKöln werden ausgewählte Mobilstationen wissenschaftlich untersucht

Inhaltlich ergänzt wird das Mobilstationen-Programm durch das Projekt MOST RegioKöln, mit dem die Projektpartner aus Forschung und Praxis einen zusätzlichen wissenschaftlichen Blick auf einzelne Mobilstationen werfen. Das sind neben dem NVR das projektleitende Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, die Bergische Universität Wuppertal und das Institut für Landes- und Stadtentwicklung in Dortmund. Mit dem Projekt soll die Wirkung von Mobilstationen als Schnittstellen zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln intensiver untersucht werden. Die Projektpartner schätzen dabei unter anderem das Potenzial für die Verlagerung vom Auto auf umweltfreundliche Mobilitätsarten ab. Dazu beraten sie die Akteure in den Kommunen zum Beispiel auch in Bezug auf Kommunikationsstrategien rund um das Thema Mobilstation und entwickeln im Projekt eigene Strategien, die im einheitlichen Landesdesign an mehreren Standorten ausgerollt und evaluiert werden.

Die Projektpartner haben für das Projekt acht Mobilstationen ausgewählt, an denen Untersuchungen zum Mobilitätsverhalten durchgeführt werden: Bergisch Gladbach, Kerpen-Horrem, Köln-Mülheim, St. Augustin Zentrum, Leverkusen-Opladen, Frechen-Königsdorf, Bergisch Gladbach-Duckterath und Troisdorf. Mithilfe von Befragungen der Nutzerinnen und Nutzer vor Ort soll unter anderem festgestellt werden, ob eine qualitative Verbesserung der Station auch zu mehr Reisenden führt bzw. ob die Zufriedenheit steigt. Erfragt wird außerdem, welche Nutzungshemmnisse vor und nach den Umbauten an den Stationen bestehen, die Reisende von der Nutzung der Mobilitätsangebote abhalten.

Hier sind mehr Informationen zu MOST RegioKöln zu finden.

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