<p>Ein Gastbeitrag von EU-Koordinatorin Catherine Trautmann über das Europäische Jahr der Schiene – und warum der Ausbau der S-Bahn in Köln ganz Europa nach vorn bringt.</p>

„Der Ausbau des Bahnknoten Köln ist von überragender Bedeutung für Europa“

23.04.2021

2021 feiert die EU das Europäische Jahr der Schiene. In ihrem Gastbeitrag erläutert Catherine Trautmann, EU-Koordinatorin für den Nord-Ostsee-Korridor des Transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V), welche Pläne die EU im Schienenverkehr verfolgt und welche Bedeutung dabei der Bahnknoten Köln hat.

Mit dem Europäischen Jahr der Schiene möchte die EU anregen, dass die Bürgerinnen und Bürger öfter Bahn fahren und Unternehmen verstärkt ihre Waren auf der Schiene transportieren. Viele Aktivitäten und Maßnahmen sind 2021 im Zuge des Aktionsjahres geplant. Dies steht im Einklang mit den Zielen des Europäischen Green Deal der Europäischen Kommission. Mit dem Konzept ist das Ziel verbunden, die Emissionen von Treibhausgasen bis 2050 weit genug zu reduzieren, um die angestrebte Klimaneutralität zu verwirklichen. Europa wäre somit die erste klimaneutrale Industrieregion der Welt. Um dieses Ziel zu erreichen, muss jeder Wirtschaftssektor seinen Beitrag leisten. Im Verkehrsbereich geht es vor allem um den massiven Ausbau umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Ein leistungsfähiger Güter- und attraktiver Personenverkehr auf der Schiene ist dabei von essenzieller Bedeutung.

Nachhaltige und sichere Mobilität auf der Schiene ausbauen

Insgesamt entfallen etwa 25 Prozent der Treibhausgasemissionen der EU auf den Verkehr. Nur 0,4 Prozent davon sind dem Schienenverkehr zuzurechnen. Die Schiene ist der einzige Verkehrsträger, der seine CO2-Emissionen seit 1990 kontinuierlich gesenkt hat. Allerdings werden aktuell noch zu wenig Menschen und zu wenig Wirtschaftsgüter über Europas Schienen befördert. Der Anteil der Schiene im Güterverkehr liegt zurzeit bei nur elf Prozent, während 75 Prozent des europäischen Güterbinnenverkehrs über die Straße abgewickelt werden. Noch geringer ist der Anteil der Schiene beim Personenverkehr. Nur sieben Prozent beträgt er aktuell. Und das, obwohl der Schienenverkehr nicht nur das umweltfreundlichste, sondern auch mit weitem Abstand das sicherste Transportmittel ist.

Einheitlicher Eisenbahnraum mit transeuropäischem Netz ist der Schlüssel zum Erfolg

Ein Riesenpotenzial zur Reduktion von CO2-Emissionen schlummert also auf der Schiene. Wie können wir aber möglichst viele Menschen und Unternehmen für einen Umstieg auf die Schiene begeistern? Die EU sieht vor allem zwei Komponenten als Schlüssel zum Erfolg: Zum einen benötigen wir einen einheitlichen europäischen Eisenbahnraum ohne administrative, rechtliche und technische Hindernisse, der nahtlose Mobilität über Grenzen hinweg sicherstellt. Um das zu erreichen, hat die EU das vierte Eisenbahnpaket verabschiedet. Dieses ermöglicht unter anderem europäischen Bahnunternehmen, überall in der EU tätig zu werden oder vereinfacht die europaweite Zulassung von Lokomotiven und Zugmaterial. Die zweite Komponente ist eine leistungsfähige, grenzüberschreitende Bahninfrastruktur. Diesen Zielen trägt die europäische Politik der transeuropäischen Verkehrsnetze, kurz TEN-V, Rechnung, die neben einem starken Schienennetz auch die Straßen und Wasserstraßen Europas in den Blick nimmt und sie fit für die Zukunft macht. Das TEN-V-Kernnetz soll bis 2030, das Gesamtnetz bis 2050 vollendet sein. Das TEN-V besteht aus neun Kernnetzkorridoren, die die wichtigsten Langstreckenverkehre bzw. -routen abbilden. Auch 88 städtische Knotenpunkte haben dieses Kernnetz mitbestimmt, von denen Köln einer ist.

Die neun Kernnetzkorridore des Transeuropäischen Verkehrsnetzes TEN-V

Ausbaumaßnahmen im Knoten Köln von überragender internationaler Bedeutung

Gerade die städtischen Knotenpunkte sind von entscheidender Bedeutung für das reibungslose Funktionieren des europäischen Verkehrsnetzes. Allerdings sind sie häufig überlastet, denn dort treffen täglich hunderte Züge des Fern-, Güter-, Regional- und S-Bahn-Verkehrs aufeinander und behindern sich oft gegenseitig. Diese Engpässe führen regelmäßig zu Verspätungen und Zugausfällen, die sich durch die enge Verzahnung der nationalen Schienennetze bis weit über die Region hinaus ausweiten können.

Daher sind Ausbaumaßnahmen wie im Bahnknoten Köln nicht nur von regionaler und nationaler, sondern auch von überragender europäischer Bedeutung. Nicht allein in Köln wird das Ziel verfolgt, durch die Entflechtung der verschiedenen Verkehrsarten auf der Schiene mehr Kapazitäten und Zuverlässigkeit zu erzielen. Aber in Köln ist dies besonders wichtig, weil sich dort die beiden zentralen Kernnetzkorridore kreuzen: der Rhein-Alpen-Korridor (in Nord-Süd-Richtung) und der Nord-Ostsee-Korridor (in Ost-West-Richtung). Der Nord-Ostsee-Korridor verbindet die wichtigsten Nordseehäfen Belgiens, der Niederlande und Deutschlands mit dem Nordosten Europas: Polen, den baltischen Staaten und Finnland. Der Rhein-Alpen-Korridor schlägt die Brücke von den Nordseehäfen Richtung Süddeutschland, Schweiz und Italien bis zum Mittelmeer. Das macht Köln zu einem der wichtigsten nationalen und internationalen Drehkreuze des Schienenverkehrs in Europa.

Allein für den Nord-Ostsee-Korridor erwarten wir für den Güterverkehr auf der Schiene bis 2030 gegenüber 2012 eine Zunahme um 36 Prozent, beim Schienenpersonenverkehr um 34 Prozent. Das ständig wachsende Verkehrsaufkommen zeigt: Wir dürfen keine Zeit verlieren, um für die Menschen und für unsere Wirtschaft eine zukunftsfähige Infrastruktur zu schaffen. Sie wird gebraucht, damit wir in Europa die Mobilitätswende vollziehen können – und wir unsere Klimaziele erreichen. Deshalb begrüße ich sehr, dass die Planungen zum Ausbau der S-Bahn und des gesamten Bahnknoten Köln engagiert vorangetrieben werden. Nicht nur die Bürger und Bürgerinnen im Großraum Köln werden davon profitieren, sondern Europa als Ganzes.

Zur Person Catherine Trautmann

Catherine Trautmann wurde 1951 in Straßburg geboren. Sie war unter anderem Bürgermeisterin von Straßburg, französische Kulturministerin sowie Mitglied des Europäischen Parlaments. Seit 2014 ist sie Europäische Koordinatorin für den TEN-V-Kernnetzkorridor Nord-Ostsee.

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