<p>Die Bahnhofsmission ist am Kölner Hauptbahnhof für alle Menschen da. Ein Porträt.</p>

Auf Mission für den Menschen

10.12.2020

Der Kölner Hauptbahnhof ist nicht nur einer der wichtigsten Eisenbahn-Knotenpunkte Europas. Er ist ein Mikrokosmos, in dem Menschen ganz verschiedener Lebenswelten aufeinandertreffen – in einer Vielfalt wie sonst nirgendwo in unserer Gesellschaft. Die Bahnhofsmission ist für alle diese Menschen gleichermaßen da – und das schon seit 120 Jahren.

Nicht mittendrin im Gedränge, sondern eher etwas abseits. Dort sind die Bahnhofsmissionen an deutschen Bahnhöfen meist zu finden. Die Lage bietet eine gewisse Privatsphäre. So ist es auch am Hauptbahnhof Köln: An Gleis 1 E bittet das gelbe Schild „Bahnhofsmission“ über der Tür alle hinein, die Hilfe benötigen. Drinnen hilft das Team der Bahnhofsmission jeden Tag zwischen 7 und 19 Uhr bei allen Anliegen, die ihre Gäste mitbringen. Um was es sich genau handelt, wird schon zu Beginn an der Tür abgefragt. Die Antworten können sehr unterschiedlich sein. Manche Gäste sind gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit auf der Suche nach einem warmen Plätzchen und einem kurzen Gespräch. Oder sie fragen nur nach einer Flasche Wasser und wollen gleich weiter.  

Nicht selten kann es jedoch auch sein, dass Gäste mit sehr persönlichen Anliegen vorbeikommen: Akute Probleme oder existenzielle Krisen, mit denen sie selbst überfordert sind und deshalb auf Rat und Hilfestellung von der Mission hoffen, angefangen von kaputter Kleidung bis zu Obdachlosigkeit. „Dann nehmen wir uns viel Zeit für unser Gegenüber, versuchen dem Kernanliegen auf den Grund zu gehen und schauen dann gemeinsam, wie der nächste Schritt aussehen könnte“, sagt Corinna Rindle, gebürtige Bayerin und studierte Sozialarbeiterin, die seit neun Jahren die Bahnhofsmission Köln leitet. „Bei uns brauchen die Menschen mit Unterstützungsbedarf – anders als bei vielen anderen Beratungsstellen – keinen Termin. Wer uns aufsucht, muss nicht mal seinen Namen nennen, wenn die Person das nicht will. Jeder ist erstmal willkommen. Diese Niederschwelligkeit ist das Besondere an unserer Arbeit.“

Sie betont, dass ihr Team zwar in vielen Fällen direkt weiterhelfen kann, aber bei einigen Angelegenheiten wie psychischen Belastungen oder Drogen seien einfach Fachleute gefragt. „In solchen Fällen wissen wir genau, wo die Menschen dann am besten aufgehoben sind und wen wir anrufen müssen“, sagt sie. Die Vermittlung solcher Kontakte an andere Beratungsstellen ist eine der Hauptaufgaben der Bahnhofsmission.

Breites Aufgabenspektrum: von Gleisauskünften bis zur Seelsorge

Solche persönlichen Anliegen sind das eine Ende des Spektrums der Hilfesuchenden, die tagtäglich auf das Team der Bahnhofmission zukommen. Etwa 100 Anliegen sind es pro Tag. Meistens geht es jedoch um ganz praktische Fragen, wenn die Missions-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter auf ihren Touren durch den Bahnhof unterwegs sind. Wo zum Beispiel ein bestimmtes Gleis liegt oder wo man sich melden sollte, wenn das Portemonnaie geklaut wurde. Auch Reisehilfe ist ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. Bei vorheriger Anmeldung kann man zum Beispiel beim Umstieg von einem Zug zum anderen von der Bahnhofsmission begleitet werden. Das wird vor allem von älteren Menschen oder Menschen mit Behinderungen wahrgenommen. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn (DB) bietet die Bahnhofsmission Köln Reisebegleitungen für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren auf der Strecke Hamburg – Köln an, was allerdings zurzeit coronabedingt nicht möglich ist. Kommt es zu einer Großstörung, beispielsweise durch ein Unwetter, steht die Mission Seite an Seite mit den Kollegen der DB und verteilen Taxigutscheine an gestrandete Reisende. „Wir haben mit der DB einen sehr engen Kontakt und helfen uns gegenseitig, wenn Hilfe benötigt wird“, betont Corinna Rindle. Die Räumlichkeiten der Bahnhofsmission stellt die DB kostenfrei zur Verfügung. Diese enge Zusammenarbeit blickt auf eine lange Tradition zurück: Gegründet wurde die Bahnhofsmission Köln vor über 120 Jahren. Träger sind der katholische Verein IN VIA Köln e.V. und die evangelische Diakonische Werk Köln und Region gGmbH. Die Bahnhofsmission befindet sich damit in ökumenischer Trägerschaft.

Offenheit allen Menschen gegenüber

Das Team der Bahnhofsmission besteht fast ausschließlich aus ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Altersspanne der aktuell etwa 80 Personen reicht von 18 bis 83 Jahren. Ob Chemiker, Manager, Arbeitslose oder Studenten – die Hintergründe der freiwilligen Helferinnen und Helfer könnten nicht unterschiedlicher sein. Um eine der sehr begehrten Stellen als Ehrenamtlicher bekommen zu können, muss man laut Corinna Rindle vor allem zwei Eigenschaften mitbringen: Zuverlässigkeit und Offenheit: „Gerade Offenheit, die Bereitschaft, jedem Menschen gleichermaßen zuzuhören, macht den Kern unserer Arbeit aus.“ Ob das eine Bewerberin oder ein Bewerber mitbringt, überprüfen Rindle und ihr Team sehr gründlich. So dauert allein die Einarbeitungsphase rund sechs Monate. „Das ist wichtig, weil die Aufgaben sehr herausfordernd sind. Darauf muss man vorbereitet werden“, betont Corinna Rindle. Durch regelmäßige Schulungen werden dem Team die wichtigsten Werkzeuge für seine tägliche Arbeit an die Hand gegeben. Vor allem Deeskalation und Gesprächsführung sind zentrale Themen. Aber auch Besuche anderer Einrichtungen stehen auf dem Programm.

Steigende Aggressivität – nicht nur durch Corona

Gerade Offenheit ist eine Tugend, die Corinna Rindle am Kölner Hauptbahnhof zwischen den Passanten oft vermisst. Der Ton zwischen den verschiedenen Gruppen sei rauer geworden in letzter Zeit. „Durch die Pandemie sind die Spannungen am Kölner Hauptbahnhof nochmal viel deutlicher geworden. Nichtsdestotrotz haben wir aber auch schon vor Corona festgestellt, dass die Aggressivität der Menschen untereinander zugenommen hat. Auch wir von der Bahnhofsmission erleben das immer wieder am eigenen Leib.“ Meistens bleibe es bei verbalen Attacken, doch manchmal gebe es auch körperliche Angriffe: „Das sind die schlimmsten Erfahrungen. Davon erholst du dich nicht so schnell und fühlst dich während deiner Arbeit noch sehr lange unsicher“, weiß Rindle.

„Aber Gott sei Dank überwiegt ganz klar die Dankbarkeit der Menschen.“ Noch nach Jahren erhalten sie und ihr Team Briefe und Postkarten von Menschen, denen sie in der ein oder anderen Form geholfen haben. „Das freut uns natürlich sehr und zeigt, dass wir wirklich etwas bewegen können. Genau dieses Gefühl motiviert uns jeden Tag neu, offen auf die Menschen zuzugehen.“

Großer Andrang an Festtagen

Für die Weihnachtszeit plant die Bahnhofsmission gemeinsam mit der katholischen und evangelischen Kirche eine Aktion am Hauptbahnhof. Unter dem Motto „Damit’s heller wird“ werden Kerzen und Postkarten an die Menschen verteilt. Generell spielt die Weihnachtszeit für die Arbeit der Bahnhofsmission eine besonders wichtige Rolle. Denn gerade über die Festtage suchen viele einsame Menschen die Bahnhofsmission auf. Menschen, die die Tage nicht alleine verbringen wollen und die auf einen Kaffee und einen kleinen Plausch vorbeikommen. Daher bleibt die Mission auch über die Festtage durchgängig besetzt, auch wenn durch die strengen Corona-Hygieneregeln aktuell statt 16 nur vier Plätze für Gäste zur Verfügung stehen. Corona spielt auch eine Rolle in der alljährlich aufgebauten Krippe im Fenster der Bahnhofsmission. Die hat einer der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Mission selbst angefertigt. „Wie überall sonst, halten dieses Jahr auch die Figuren in der Krippe Abstand zueinander. Und die Figuren werden allesamt einen Mund- und Nasenschutz tragen“, sagt Corinna Rindle. „Die Gäste wird es hoffentlich freuen.“

Die Bahnhofsmission Köln hilft Menschen, die in besonderen Notsituationen sind, in denen kein anderer hilft und kein Hilfesystem greift. Daher bitten wir Sie, das Fortbestehen der Bahnhofsmission mit einer kleinen Spende zu sichern und dadurch Menschen in Not zu helfen:

Das Spendenkonto der Bahnhofsmission Köln:

Empfänger: IN VIA/ Bahnhofsmission Köln
Bank: Sparkasse KölnBonn
Kontonummer: 42332031
Bankleitzahl: 37050198
IBAN: DE84370501980042332031
BIC: COLSDE33

Spenden an die Bahnhofsmission sind steuerlich abzugsfähig. Bei Überweisungen bis 200,00 € reicht der Kontoauszug als Beleg. Bei Beträgen darüber hinaus erhalten Sie gerne eine Spendenquittung.

Allen Spender/innen ein herzliches Dankeschön!

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