<p>Kai Rossmann ist Leiter des Bahnhofmanagements Köln. Geo-grafisch reicht sein Aufgabengebiet von Dahlem in der Eifel bis Au (Sieg) im Rhein-Sieg-Kreis. Was zum Job alles dazu gehört, wenn man 115 Bahnhöfe gleichzeitig leitet, lesen Sie hier.</p>

Machen als Kernkompetenz: So ist man Bahnhofsleiter

25.05.2020

Man stelle sich vor, mehrere Hunderttausend Gäste täglich gehen durch die eigene Wohnung, essen, trinken und besuchen die Toilette. Was das bedeutet, kann sich jeder vorstellen, der zu Hause eine Party mit nur zwanzig Gästen feiert. Für Kai Rossmann ist quasi jeden Tag Party – und zwar die größte in ganz NRW: Als Leiter des Bahnhofsmanagements Köln/Bonn bei der Deutschen Bahn (DB) ist er für 115 Bahnstationen zuständig und muss mit seinem Team täglich Dutzende Herausforderungen meistern, Störfeuer löschen, Pläne entwickeln, ohne dabei das große Ziel aus den Augen zu verlieren: das Reiseerlebnis für hunderttausende Fahrgäste verbessern. Wir blicken dem Bahnhofsleiter dabei über die Schulter.

An Herausforderungen mangelt es an keinem Arbeitstag von Kai Rossmann (55). Praktisch kein Tag ist wie der andere. Die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich und reichen von defekten Aufzügen über Vandalismus bis hin zu Bombendrohungen. „Da braucht man ein gutes und eingespieltes Team, das sich vor Ort rasch den vielfältigen Problemen annehmen kann. Und das hab ich hier glücklicherweise in Köln. Ich bin sehr stolz auf meine Kollegen“, sagt Rossmann. Sein Team umfasst insgesamt 220 Mitarbeiter.

Als Bahnhofsmanager ist man praktisch immer im Einsatz. „Für Notfälle bin ich Tag und Nacht erreichbar“, sagt Kai Rossmann. „Um meinen Job machen zu können, muss man Bahn einfach leben, für das Thema brennen. Dieses Pensum könnte ich nicht absolvieren, wenn ich nicht mit Herzblut dabei wäre.“

Rossmanns Traum vom eigenen Bahnhof

Das Bahnhofmanagement Köln/Bonn ist das größte in ganz Nordrhein-Westfalen. 115 Bahnhöfe gehören dazu. Die Bandbreite an Stationen reicht von international bedeutenden Knotenpunkten wie dem Kölner Hauptbahnhof bis hin zu gering frequentierten Haltepunkten mit nur einem Bahnsteig. Das Einzugsgebiet erstreckt sich zwischen Dahlem in der Eifel über Leverkusen im Norden bis nach Au (Sieg) im Rhein-Sieg-Kreis und Bad Honnef im Süden.

Als Chef des Bahnhofmanagements Köln/Bonn ist Kai Rossmann für alle 115 Bahnhöfe gleichermaßen verantwortlich. Der in Hagen geborene Westfale ist Eisenbahner in dritter Generation und arbeitet seit 35 Jahren für die DB, in den unterschiedlichsten Positionen: unter anderem als Fahrdienstleiter, Referent in der Pressestelle oder Assistent des Konzernbevollmächtigten für NRW. Seinen Traum hat er jedoch nie aus den Augen verloren: „Ich wollte schon immer einen Bahnhof leiten“, erinnert sich Rossmann. „Geklappt hat es dann im Jahr 2005 mit dem Bahnhofsmanagement in Dortmund.“ 2016 wurde dann ein neuer Chef für das Bahnhofsmanagement Köln gesucht: „Das größte Bahnhofsmanagement im ganzen Westen – diese Herausforderung hat mich einfach gereizt.“

Vor Ort am Bahnhof ist Rossmann bisweilen selten. Dafür hat er sein Team. Zum Beispiel sind sogenannte Stationsinspektoren dafür zuständig, die Stationen regelmäßig zu besuchen und zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Als Bahnhofsmanager verbringt er vor allem viel Zeit mit Kontaktpflege und Terminen in einer der vielen Städte und Gemeinden seines Zuständigkeitsgebiets. Denn Bahnstationen berühren fast immer kommunale Belange, zum Beispiel die unmittelbare Umgebung der Bahnhöfe mit allen Themen, die dazu gehören: Städtebau, Verkehr, Sicherheit und vieles mehr.

Zeitgemäße Bahnhöfe sind Mobilitätsdrehscheibe und Einkaufszentrum gleichermaßen

Rossmann sieht sich in erster Linie als Sprachrohr seiner Kunden. „Ich habe einfach das Verlangen, meine Stationen für die Kunden – unsere Gäste – weiterzuentwickeln, sie sicher, ansprechend und einladend zu machen. Nur so kann ich erreichen, dass meine Gäste gerne wiederkommen.“ Die Kundenansprüche sind dabei einem steten Wandel unterworfen. WLAN, Blumen oder Bahnhofsbuchhandlung gehören inzwischen zu den Klassikern. Sie bilden die Grundversorgung und werden von den Kunden erwartet. „Darüber hinaus erwarten die Kunden von einem zeitgemäßen Bahnhof aber einfach mehr. Sie erwarten ein viel breiter gefächertes Angebot als noch früher, ein richtiges Einkaufserlebnis.“ Denn Bahnhöfe sind nicht nur Mobilitätsdrehscheiben, sondern auch gleichermaßen Einkaufszentren. Alleine der Kölner Hauptbahnhof zählt neben den 200.000 Reisenden pro Tag auch über 100.000 Besucher, die nur zum Essen, Einkaufen oder zum Bummeln vorbeikommen.

Maßstäbe setzt schon heute der Kölner Hauptbahnhof mit seinem Konzept des Einkaufsbahnhofs. Denn in Köln wird seit geraumer Zeit neben den Klassikern verstärkt auf Regionales gesetzt. Diese Angebote reichen von lokalen Bäckern, über das nur in Köln produzierende Gummibärchen-Geschäft bis hin zum 1. FC Köln-Fanshop. „Das wollen wir weiter ausbauen und noch viel mehr. Ich möchte, dass die Menschen zu uns kommen, weil wir Produkte im Einkaufsbahnhof haben, die es nur hier gibt. Da ist man im Ausland schon weiter.“

Kundeninformation als Schlüssel für möglichst komfortables Reisen

Rossmann und sein Team wollen ihre Bahnhöfe jedoch nicht nur mit Blick auf die Einkaufsmöglichkeiten ständig weiterentwickeln. Auch das Reiseerlebnis soll sich laufend verbessern. „Das sehen wir als unsere Kernaufgabe“, sagt Rossmann. Zentraler Baustein für komfortables Reisen ist für Rossmann vor allem eines: verlässliche Kundeninformation. Gemeint sind damit Informationen, die übereinstimmen, aktuell sind und einfach den Kunden zur Verfügung gestellt werden. „Da muss alles passen. Auf der Haupttafel, am Bahnsteig und natürlich auf dem Handy. Der Kunde muss wissen, wann er genau wo sein muss. Und wir müssen dann sicherstellen, dass er dort unkompliziert hinfindet“, sagt Rossmann. Das erleichtert den Kunden nicht nur das Reisen, sondern wirkt sich auch positiv auf die Gesamtpünktlichkeit im Schienenverkehr aus. „Wenn der Kunde früh genug an der richtigen Stelle am Bahnsteig steht, dann kann der Zug auch in der Regel pünktlich den Bahnhof verlassen.“

Stationsseitig ziehen Rossmann und sein Team alle Register, die Pünktlichkeit am Kölner Hauptbahn zu erhöhen. „Wir setzen seit letztem Sommer Fahrradhelfer am Bahnsteig ein, die die Radler an die Stelle dirigieren, wo der Einstieg mit dem Fahrrad möglich ist, und auch beim Einladen unterstützen. Auch haben wir an jedem Treppenaufgang Monitore installiert, die nochmal genau darstellen, was oben fährt. Das spart alles Zeit und hilft unseren Gästen bei der Orientierung.“ Zeit, die dringend benötigt wird bei der dichten Taktung am Kölner Hauptbahnhof, dem Herzstück des Bahnknoten Köln. Mit der Taktverdichtung auf der S 11 und dem Ausbau weiterer S-Bahn-Linien werden künftig sogar noch mehr Züge am Hauptbahnhof halten. Dann aber an insgesamt zwei Mittelbahnsteigen allein für die S-Bahn. „Mit dem neuen Mittelbahnsteig verdoppeln wir die Haltekapazitäten für die S-Bahn auf einen Schlag. Das verringert nicht nur die Staus auf der Hohenzollernbrücke, es macht den Zugverkehr auf der Stammstrecke insgesamt deutlich flüssiger”, sagt Rossmann.

Um an den Bahnhöfen noch mehr Zeit zu gewinnen, hat die DB deutschlandweit zahlreiche Pilotprogramme gestartet. So auch das Projekt „Iris+“, ein neues Reisendeninformationssystem. Damit sollen Fahrgästen künftig schnell und auf allen Kanälen die gleichen Informationen zur Verfügung stehen. An der Station Stuttgart-Bad Cannstatt werden leuchtende Bahnsteigkanten getestet, die im Ausland schon im Einsatz sind und den Reisenden punktgenau anzeigen, wo sich die Türen des Zuges nach seinem Halt befinden werden. Eines Tages könnten diese Leuchtstreifen auch anzeigen, wie stark belegt die einzelnen Wagen sind. Die LED-Leisten blinken in den Farben Grün, Orange und Rot, je nach Auslastung des Wagens. „Das sind tolle Ansätze. Wir nehmen gerne alles mit, was funktioniert. Bis dahin tun wir weiter unser Möglichstes, den Gästen den Bahnhof zu bieten, den sie sich wünschen, und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr“, sagt Kai Rossmann. Und hat er eigentlich eine persönliche Lieblingsstation? „Nein, wirklich nicht, dafür sind sie alle zu individuell. Natürlich wachsen einem immer die Stationen ans Herz, wo man seine persönliche Handschrift hinterlässt. Aber zu jeder meiner Stationen fällt mir eine Story ein, irgendwie mag ich sie dann doch alle gleich."

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