<p>3 Fragen, 3 Antworten mit Dr. Ulrich Soénius, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Köln.</p>

„Beim Infrastrukturausbau vermissen wir Unterstützung“

11.08.2020

3 Fragen, 3 Antworten mit Dr. Ulrich Soénius, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK Köln) und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik.

Welche Bedeutung hat der Ausbau der S-Bahn Köln für den Wirtschaftsstandort Köln?

Die Stadt Köln ist für viele Menschen ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort – Tendenz steigend. Das macht sich auch in der Pendlerstatistik bemerkbar. In Köln pendeln derzeit täglich etwa 860.000 Beschäftigte. Die Stadt Köln weist heute schon wesentlich mehr Ein- als Auspendler auf. Mobilität ist für viele Beschäftigte ein wesentlicher Bestandteil ihres Alltages. Die meisten Beschäftigten fahren mit dem Pkw zur Arbeit. Überlastung der Straßen bzw. Staus sind die Folge.

Ziel der Stadt Köln und der Industrie- und Handelskammer zu Köln für die Stadtmobilität ist es, den Anteil des Umweltverbundes (zu Fuß, Fahrrad, ÖPNV) im Modal Split zu erhöhen. Voraussetzung für den Umstieg der Berufspendler ist jedoch ein attraktives ÖPNV-Angebot und eine systematische Vernetzung der Verkehrsträger. Daher hat der Ausbau der S-Bahn Köln eine hohe Priorität für den Wirtschaftsstandort Köln.

Welche Ausbaumaßnahmen haben aus Ihrer Sicht die höchste Priorität?

Die höchste Priorität hat der Ausbau der Bahnsteige am Hauptbahnhof und Bahnhof Messe/Deutz. Ebenso wichtig ist die Entflechtung der Zuläufe auf den Hauptbahnhof (Steinstraße), um einen reibungsärmeren Ablauf zu ermöglichen.

„Voraussetzung für den Umstieg der Berufspendler ist ein attraktives ÖPNV-Angebot und eine systematische Vernetzung der Verkehrsträger.”

Dr. Ulrich Soénius, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Köln

Was brennt Ihren Mitgliedsunternehmen beim Verkehr im Großraum Köln am meisten unten den Nägeln?

Die Verkehrsinfrastruktur hat in den letzten Jahrzehnten enorm leiden müssen. Die Unternehmen erleben Staus, Umfahrten, Abgaben und Fehlplanungen. Deshalb gibt es an vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Die Straßeninfrastruktur ist in normalen Zeiten völlig überlastet. Wir brauchen Investitionen und ein effizientes Baustellenmanagement, was alle Beteiligten und alle betroffenen Verkehrsträger einschließt. Auch die Schieneninfrastruktur ist in normalen Zeiten teilweise überlastet, insbesondere die Pendlerzüge sind immer häufiger überfüllt. Dies führt zu einer abnehmenden Akzeptanz. Der Güterverkehr muss weiterhin hohe Priorität genießen, um den Seehafenhinterlandverkehr zu gewährleisten. Die Straße kann diese Mengen nicht auffangen. Daher fordern wir seit langem ein getrenntes Güterverkehrsschienennetz. Der multimodale Standort ist ein logistischer Schatz, der bewahrt und genutzt werden muss.

Beim Infrastrukturausbau vermissen wir die Unterstützung, die für dieses existenzielle Thema nötig wäre. Bei vielen Bürgern fehlt die Akzeptanz. Sie wollen nicht verstehen, dass Logistik elementar für ihren persönlichen Lebensstil ist. Weit verbreitet ist stattdessen die NIMBY-Haltung („not in my own backyard“). Vielen Politikern fehlt der Mut, entschieden für den Infrastrukturausbau einzutreten und die öffentliche Verwaltung ist oft einseitig: Sie räumt der Wirtschaft nicht den Stellenwert ein, der ihr gebührt. Ohne Wirtschaft funktioniert das Gemeinwesen nicht. Es verstimmt die Unternehmen, dass sie in der Öffentlichkeit nur angegriffen, nie verteidigt werden.

 

Hinweis: Die hier im Blog veröffentlichten Interviews geben nur die Meinung des Befragten wieder. Vom Interviewten vorgeschlagene Projekte können nur vorbehaltlich einer entsprechenden Finanzierung realisiert werden.

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